Dieser Beitrag ist der Tipp der Woche aus Kalenderwoche 44, erschienen am 26. Oktober 2026. Den aktuellen Tipp finden Sie auf Tipp der Woche, alle bisherigen im Tipp-Archiv.
Kalenderwoche 44 · 26. Oktober 2026
Es ist Ende Oktober, kurz nach sieben, und die Haustür des Mehrfamilienhauses steht einen Spalt offen. Nicht weit, zwei Zentimeter vielleicht, aber die Falle ist nicht eingeschnappt. Im Sommer ging das noch. Jetzt bleibt die Tür jeden Morgen stehen, und im Treppenhaus zieht es.
Was sich jetzt ändert, wie richtig geprüft wird und wo die Fachkraft übernimmt (zum Vergrößern anklicken)
Was dann fast immer passiert: Jemand holt den Schraubendreher und dreht die Schließkraft hoch. Danach fällt die Tür wieder ins Schloss - mit einem Knall, der durchs ganze Haus geht, und die ältere Nachbarin aus dem zweiten Stock bekommt sie kaum noch auf. Das Problem ist verschoben, nicht gelöst.
Denn im Herbst ändern sich zwei Dinge gleichzeitig, und beide sehen von außen gleich aus.
In einem Obentürschließer arbeitet eine Feder gegen Hydrauliköl. Die Feder liefert die Kraft, das Öl bremst - es wird beim Schließen durch enge Ventilquerschnitte gepresst, und genau daraus entsteht die gleichmäßige, kontrollierte Bewegung. Wird das Öl kalt, wird es zäher und fließt langsamer durch dieselben Querschnitte. Die Tür schließt träger, und am Ende fehlt ihr unter Umständen der Schwung, um Dichtung und Falle zu überwinden.
Der Hersteller sagt das selbst. In den FAQs zur Einstellung schreibt GEZE: Es kann vorkommen, dass sich Türschließer nicht in der gewohnten Art und Weise verhalten - sei es durch unsachgemäße Handhabung oder auch durch Umwelteinflüsse. So ist es möglich, dass Türschließer bei Temperaturschwankungen nachjustiert werden müssen.
Das ist ein kann, kein muss. Es gibt Baureihen, die dafür gebaut sind: GEZE führt »thermostabilisierte Ventile« in den Produktprospekten als eigene Zeile in der Vergleichstabelle - mit einem Punkt nur bei einem Teil der Modelle. Bei dormakaba gibt es Schließer, die auch bei strengem Frost ihre Geschwindigkeit halten; für den TS 98 XEA nennt der Hersteller eine Kälte von bis zu minus 40 Grad. Wer so ein Gerät an der Tür hat, muss zweimal im Jahr nichts anfassen. Wer ein einfaches hat, merkt den Winter.
Der zweite Grund hat mit dem Schließer überhaupt nichts zu tun. Mit der Heizperiode entsteht ein Temperaturunterschied zwischen innen und außen, und damit ein Druckunterschied. Im Treppenhaus wirkt das wie ein Kamin: Warme Luft steigt nach oben und zieht unten kalte nach - durch jede Tür, die auf dem Weg liegt. Dazu kommen die Herbststürme, gekippte Fenster und Lüftungsanlagen, die im Sommer aus waren.
Wie wichtig das ist, zeigt ein Blick in die Störungsliste von GEZE. Dort stehen sieben typische Fehlerbilder mit ihren Ursachen - und bei vier davon steht Luftzug als Ursache mit drin: Tür schließt nicht, Tür schließt nur langsam, Tür schlägt zu stark zu, Tür öffnet zu schwer. Die Abhilfe lautet jedes Mal gleich, und sie heißt nicht »nachstellen«, sondern Umfeld prüfen und äußere Einflüsse beseitigen (z. B. Fenster, Lüftungsanlage).
Die kurze Fassung: Eine Tür, die im Oktober plötzlich offen bleibt, hat meist nicht zu wenig Schließkraft, sondern zu viel Gegenwind. Wer zuerst an der Schraube dreht, behandelt das Symptom.
Aus der GEZE-Störungsliste lässt sich eine Prüffolge ableiten, und sie beginnt bewusst nicht am Schließer.
Erst die Mechanik. Ganz oben stehen bei fast jedem Fehlerbild schleifende Türen und klemmende Dichtungen. Türblätter arbeiten mit der Jahreszeit, Dichtungen werden in der Kälte steifer und drücken stärker. Wenn das Blatt irgendwo streift, nimmt es dem Schließer die Energie, die er am Ende für die Falle braucht. Also: Tür langsam von Hand zuführen und fühlen, wo sie hakt.
Dann das Umfeld. Fenster im Treppenhaus zu, Lüftungsanlage prüfen, Kellertür zu. Ein einfacher Test: Tür bei geschlossenen Fenstern loslassen und dasselbe noch einmal, wenn im Flur ein Fenster offen steht. Macht es einen sichtbaren Unterschied, ist die Ursache gefunden - und sie sitzt nicht im Schließer.
Dann die Schlossfalle. GEZE nennt für den Fall »Tür schließt, fällt aber nicht ins Schloss« ausdrücklich eine schwergängige Schlossfalle als Ursache, mit der Abhilfe Prüfen, Fetten (Herstellervorgaben beachten!). Der Klammerzusatz steht dort nicht zum Spaß: Welches Mittel ins Schloss darf, gibt der Schlosshersteller vor, und harzende Öle machen die Sache im nächsten Winter schlimmer.
Erst dann die Einstellung - und mit einer Zahl im Kopf. GEZE gibt als Maß vor: Die Tür soll aus 90 Grad Öffnung in fünf bis sieben Sekunden schließen. In der älteren Einstellempfehlung des Hauses, die die Ventile für die einzelnen Baureihen zeigt, steht derselbe Wert als ~5 Sek über jedem Gerät. Wer einstellt, stellt also nicht nach Gefühl ein, sondern mit der Uhr.
An einem Gleitschienenschließer wie dem TS 5000 sind es vier Einstellungen, und jede hat ihren eigenen Zweck - sie sind keine Ersatzteile füreinander.
Die Schließgeschwindigkeit regelt den langen Weg von offen bis fast zu. Der Endschlag beschleunigt nur die letzten Grade, damit die Tür Dichtungsreibung überwindet und wirklich einschnappt. Er ist die Schraube, die bei einer kalten, strammen Dichtung am häufigsten gebraucht wird - aber mit Maß: Ist er zu stark, fällt die Tür laut GEZE meist mit einem Knall zu, ist er zu schwach, kann es vorkommen, dass die Tür nicht mehr komplett selbstständig schließt. Die Öffnungsdämpfung fängt eine aufgeworfene Tür ab; beim TS 93 von dormakaba setzt sie ab etwa 70 Grad ein. Und die Schließkraft ist die Größe des Geräts.
Zwei Sätze dazu gehören zusammen gelesen. GEZE warnt bei der Öffnungsdämpfung: Das Ventil sollte nicht zu weit geöffnet werden, da dies sonst zu Undichtigkeiten führt. Und in der Störungsliste steht für »Türschließer lässt sich nicht mehr einstellen« nur eine Ursache - Ventilschrauben / Einstellschraube überdreht / beschädigt - und nur eine Abhilfe: Türschließer erneuern. Eine überdrehte Ventilschraube ist kein Einstellfehler, sondern ein Totalschaden. Dasselbe gilt, wenn das Gerät Öl verliert: Dann hilft keine Einstellung mehr.
Außerdem kann die Öffnungsdämpfung keinen Türstopper ersetzen. GEZE schreibt, sie könne zum Beispiel bei nach außen öffnenden und vom Wind erfassten Türen eine separate Begrenzung des Öffnungswinkels nicht ersetzen. Im Herbst ist das der Satz, der Geld spart: Eine vom Sturm aufgerissene Tür reißt Band, Blatt oder Schließer heraus, und keine Dämpfung hält das.
Hier wird oft etwas verwechselt. Die Schließkraft ist zwar einstellbar, aber sie ist kein freier Regler - sie gehört zur Tür. Nach DIN EN 1154 richtet sie sich nach der Flügelbreite. In der GEZE-Einstellempfehlung ist die Zuordnung für den TS 5000 ausgeschrieben: Stufe 2 bis 850 Millimeter, Stufe 3 für 850 bis 950, Stufe 4 für 950 bis 1100, Stufe 5 für 1100 bis 1250 und Stufe 6 für 1250 bis 1400 Millimeter.
Und jetzt der Punkt, der in diesen Tipp gehört: GEZE nennt neben der Breite ausdrücklich weitere Gründe für eine höhere Größe - die Türhöhe, das Türgewicht oder auch örtliche Verhältnisse wie der Windeinfluss. Dasselbe steht als Fußnote im Technikprospekt zum dormakaba TS 93: Für besonders schwere Türen und für Türen, die gegen Winddruck schließen müssen, empfehlen wir TS 93 EN 5-7.
Wer also jedes Jahr im Herbst dasselbe Problem hat, hat womöglich kein Einstellungsproblem, sondern von Anfang an ein zu kleines Gerät an einer exponierten Tür. Das lässt sich nicht herausdrehen - der Schließer muss getauscht werden. Umgekehrt gilt die Grenze nach oben: Beim TS 93 weist dormakaba das maximale Öffnungsmoment nach DIN 18040 - der Norm für barrierefreies Bauen - bis zu einer Türbreite von 1250 Millimetern aus. Wer eine Tür so stark einstellt, dass sie im Wind sicher zufällt, kann sie für Kinder, ältere oder gehbehinderte Menschen unbenutzbar machen. Beides zugleich geht nicht immer; dann entscheidet die Nutzung, nicht das Wetter.
Bis hierher ging es um die Wohnungs- oder Haustür. Bei zwei Türarten gelten andere Regeln, und sie sind nicht verhandelbar.
Brandschutz-, Rauchschutz- und Fluchtwegtüren. GEZE formuliert das so deutlich, dass man es zitieren sollte: Insbesondere bei Türschließern an Brandschutz-, Rettungsweg- und Fluchtwegtüren rufen Sie bitte einen qualifizierten Techniker zur Hilfe, da fachkundig angebrachte Türlösungen Menschenleben im Brandfall retten können. Bei unsachgemäßer Montage und Einstellung übernehmen wir keine Haftung. Dazu gibt es eine harte Untergrenze: An Brandschutztüren ist die Mindestschließergröße EN 3 einzustellen - wer dort heruntergedreht hat, weil die Tür zu schwer aufging, hat die Funktion außer Kraft gesetzt, für die die Tür zugelassen ist. Nach oben gilt: Schließer an Rauch- und Feuerschutztüren sind bis maximal 1600 Millimeter Türblattbreite (EN 7) zugelassen.
Feststellanlagen. Das sind die Anlagen, die eine Brandschutztür im Alltag offen halten und sie im Brandfall loslassen - Schließer, Haftmagnet und Rauchmelder als zugelassene Einheit. Hier ist Nachstellen keine Hausmeisterarbeit. Hekatron schreibt in der Informationsschrift zu Wartung und Abnahme, dass die DIN 14677-1 für die Instandhaltung einen Kompetenznachweis voraussetzt: Der Instandhalter muss eine zertifizierte Fachkraft für Feststellanlagen sein.
Was der Betreiber dagegen selbst tun muss, wissen viele nicht. Die Anlage ist ständig betriebsfähig zu halten und regelmäßig zu prüfen, und zwar nach einem festen Takt: zunächst monatlich. Erst wenn zwölf im Abstand von einem Monat aufeinanderfolgende Funktionsprüfungen keine Mängel ergeben, darf auf einen Abstand von drei Monaten gewechselt werden - und tritt dann ein Mangel auf, ist die Betriebsfähigkeit umgehend herzustellen und durch mindestens drei aufeinanderfolgende monatliche Prüfungen nachzuweisen. Dazu kommt die jährliche Wartung durch die Fachkraft. Und: Umfang, Ergebnis und Zeitpunkt der periodischen Instandhaltungsmaßnahmen sind aufzuzeichnen. Diese Aufzeichnungen sind beim Betreiber aufzubewahren.
Ein Datum, das gern übersehen wird, steht in derselben Schrift: Rauch- und Thermoschalter sind nach DIN 14677-1 nach einer Betriebszeit von acht Jahren auszutauschen. Wer eine Anlage um 2018 einbauen ließ, ist jetzt dran - unabhängig davon, ob der Melder noch auslöst. Bei der Funktionsprüfung selbst gehört übrigens auch die Frage dazu, ob Umgebungseinflüsse die Funktion der eingebauten Feststellanlage beeinträchtigen. Der Herbst ist dafür die ehrlichste Jahreszeit.
Drei Dinge, die diese Woche Sinn haben und nichts kosten. Gehen Sie an jeder selbstschließenden Tür einmal mit der Uhr daneben: aus 90 Grad loslassen, zählen. Liegt die Tür deutlich über sieben Sekunden oder bleibt sie offen, notieren Sie es - und schauen Sie zuerst nach Behinderung und Luftzug, nicht nach dem Schraubendreher. Prüfen Sie, ob an Brandschutztüren noch ein Türstopper sitzt, bevor der erste Sturm kommt. Und sehen Sie bei Feststellanlagen nach, wann die letzte Prüfung eingetragen wurde und wie alt die Melder sind.
Wo es aufhört, selbst zu entscheiden: bei allem, was an einer Brandschutz-, Rauchschutz- oder Fluchtwegtür hängt, und bei jeder Feststellanlage. Dort geht es nicht um Komfort, sondern um eine Zulassung, die nur gilt, solange die Einstellung stimmt.
Wenn Sie nicht sicher sind, welche Schließergröße an Ihre Tür gehört - weil sie breit, schwer oder dem Wind ausgesetzt ist -, rufen Sie uns vor der Bestellung an. Türbreite, Türgewicht, Montageart und Windlage entscheiden darüber, und ein zu kleines Gerät lässt sich nachher nicht größer drehen.
Mehr dazu auf unseren Seiten über Brandschutztüren und Rauchschutztüren.
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Gleitschienenschließer mit integriertem Melder - die Baureihe, deren Einstellwerte in diesem Tipp stehen.
Feststellanlage DORMA TS 93B EMR EN 2-5
Größenbereich EN 2-5 für Türen bis 1250 mm - für Winddruck empfiehlt dormakaba die größere Ausführung EN 5-7.
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